Preboarding: Warum die Zeit vor dem Ausbildungsstart entscheidend ist

Veröffentlicht am 26. Januar 2026

Der Ausbildungsvertrag ist unterschrieben, der Ausbildungsstart liegt noch ein Stück in der Zukunft. Für viele Betriebe beginnt jetzt eine Phase des Wartens.

Für Auszubildende beginnt jedoch etwas anderes: eine Zeit voller Fragen, Erwartungen – und manchmal auch Zweifel.

Diese Phase wird Preboarding genannt. Und sie ist von zentraler Bedeutung.

Zwischen Zusage und Start: eine sensible Übergangsphase

In der Zeit zwischen Vertragsabschluss und Ausbildungsbeginn schauen sich manche junge Menschen weiter um, werden von anderen Betrieben angesprochen oder stellen sich erneut die Frage:

Wo erhalte ich die beste Ausbildung? Wo werde ich mich wohlfühlen?

Erscheinen Auszubildende zum Ausbildungsbeginn nicht oder sagen kurzfristig ab, spricht man von sogenanntem Ghosting. Dieses Risiko lässt sich deutlich reduzieren, wenn die Zeit vor dem Start aktiv gestaltet wird.

Preboarding ist keine Wartezeit. Es ist eine gezielte Bindungsphase.

Preboarding heißt: Beziehung aufbauen, bevor der Alltag beginnt

Wer früh Beziehung aufbaut, Orientierung gibt und Verlässlichkeit zeigt, festigt die Entscheidung für den Betrieb.
Manchmal kann es dabei sogar sinnvoll sein, auch den zweitbesten Bewerber oder die zweitbeste Bewerberin in diese Phase einzubeziehen.

Gut gestaltetes Preboarding erfüllt drei zentrale Funktionen:

  1. Sicherheit aufbauen: Unsicherheiten abbauen, Fragen klären, Orientierung geben
  2. Beziehung stärken: Eine emotionale Verbindung herstellen – noch vor dem ersten Arbeitstag
  3. Entscheidung festigen: Bindung erhöhen und Absprünge vermeiden

Je klarer und persönlicher diese Phase gestaltet ist, desto stabiler ist der Ausbildungsstart.

Kontakt halten – regelmäßig, aber dosiert

Die Dauer der Preboarding-Phase kann stark variieren: von wenigen Wochen bis zu mehreren Monaten. Entscheidend ist nicht die Länge, sondern die bewusste Gestaltung.

Mögliche Maßnahmen können sein:

  • ein Ferienjob oder Minijob im Betrieb
  • Teilnahme an vorbereitenden Maßnahmen, z. B. „Vorbereitung in die Ausbildung“
  • frühzeitiger Austausch mit einer festen Ansprechperson oder einem Azubi-Buddy
  • persönliche Willkommenssignale, z. B. eine handgeschriebene Postkarte oder eine kurze Video- oder Sprachnachricht
  • Einladung zu betrieblichen Veranstaltungen wie Sommerfest, Weihnachtsfeier oder Azubitag
  • ein gemeinsamer Kennenlerntermin oder Betriebsausflug
  • ein Family-&-Friends-Abend bzw. Elternabend

All diese Maßnahmen senden dieselbe Botschaft: Du bist nicht nur eingeplant – wir freuen uns wirklich auf dich.

Orientierung geben: Struktur schafft Sicherheit

Neben Beziehung braucht Preboarding auch Klarheit. Jugendliche fühlen sich sicherer, wenn sie wissen, was auf sie zukommt.

Hilfreich sind zum Beispiel:

  • eine Willkommensmail mit Ansprechpartner:innen und grobem Zeitplan
  • Informationen zum ersten Tag (Uhrzeit, Treffpunkt, Kleidung, Kontakt)
  • eine kurze Übersicht zur Ausbildung und zum Betrieb
  • eine einfache Checkliste: Was ist vor dem Start wichtig?
  • ein abgestufter Kommunikationsplan (z. B. mehrere Monate, vier Wochen und wenige Tage vor Ausbildungsbeginn)

Struktur reduziert Unsicherheit – ohne zu überfordern.

Organisatorische Aufgaben frühzeitig klären

Parallel zum Beziehungsaufbau sollten organisatorische Schritte rechtzeitig erledigt werden, zum Beispiel:

  • Berichtsheft beim zuständigen Verband bestellen
  • Kontaktdaten der Auszubildenden an die Ausbilder:innen weitergeben
  • relevante Informationen in internen Systemen erfassen (z. B. Geburtstagsliste, Zugänge zu digitalen Plattformen)
  • Anmeldung bei externen Lern- oder Ausbildungsplattformen
  • Termin zur Anprobe von Arbeitskleidung und Übergabe von Arbeitsmitteln
  • Versand eines Starterpakets einige Wochen vor Ausbildungsbeginn

 

Worauf Sie beim Preboarding achten sollten

  • Setzen Sie auf motivierende, nicht abschreckende Inhalte
  • Finden Sie das richtige Maß – nicht zu viel, nicht zu wenig
  • Unterscheiden Sie klar zwischen freiwilligen und verpflichtenden Angeboten
  • Halten Sie Kontakt, ohne zu vereinnahmen
  • Fragen Sie kurz vor Ausbildungsstart aktiv nach, ob noch Fragen offen sind

 

Preboarding weiterentwickeln

Nach Abschluss der Preboarding-Phase lohnt sich ein kurzer Rückblick. Holen Sie Feedback von den Auszubildenden ein – und bei Bedarf auch von den Eltern. Nutzen Sie diese Rückmeldungen, um Abläufe, Inhalte und Kontaktpunkte kontinuierlich zu verbessern. So wird Preboarding mit jedem Jahr wirksamer.

Fazit

Preboarding ist kein Zusatz – sondern ein entscheidender Baustein gelingender Ausbildung. Wer hier investiert, schafft Vertrauen, Verlässlichkeit und einen guten Start für alle Beteiligten.

Susanne Preuß Geschäftsführende Gesellschafterin bei der Bühler und Preuß GmbH