Prüfungsvorbereitung beginnt am ersten Tag
Veröffentlicht am 27. Januar 2026

Wie Ausbildungsbetriebe ihre Auszubildenden kontinuierlich und zielgerichtet unterstützen
Gute Ausbildung zeigt sich nicht erst am Prüfungstag. Sie beginnt viel früher – oft schon mit dem ersten Ausbildungstag.
Für zertifizierte Betriebe der Initiative für Ausbildung ist das keine neue Erkenntnis. Im Qualitätskriterium #11 – Zielgerichtet unterstützen ist klar beschrieben, worum es geht:
Auszubildende erhalten individuelle, zusätzliche Lernangebote und werden planvoll auf ihre Abschlussprüfung vorbereitet.
Entscheidend ist dabei eines: Prüfungsvorbereitung ist kein Endspurt, sondern ein kontinuierlicher Prozess.
Prüfungsvorbereitung ist mehr als „Lernen für die Prüfung“
In vielen Betrieben beginnt die intensive Prüfungsvorbereitung noch immer wenige Wochen vor dem Termin. Das greift zu kurz – und setzt Auszubildende unnötig unter Druck.
Wirksame Prüfungsvorbereitung besteht aus mehreren Bausteinen:
- den Ausbildungsinhalten, die über die gesamte Ausbildungszeit vermittelt werden
- regelmäßigen Übungs- und Reflexionsräumen
- dem schrittweisen Heranführen an Prüfungsformate
- der gezielten, individuellen Unterstützung
Ein strukturiertes, planvolles Vorgehen ist dabei der Schlüssel.
Jahresplanung: das Rückgrat guter Prüfungsvorbereitung
Eine durchdachte Jahres- bzw. Ausbildungsplanung schafft Orientierung – für Auszubildende ebenso wie für Ausbilder:innen.
Sie hilft dabei,
- Prüfungsinhalte frühzeitig mitzudenken
- Lernphasen sinnvoll über die Ausbildungszeit zu verteilen
- beteiligte Personen rechtzeitig einzubinden
- externe Lernorte oder Partnerbetriebe einzuplanen
Nicht jeder Betrieb kann alle relevanten Inhalte selbst abdecken. Umso wichtiger ist es, rechtzeitig zu klären:
- Welche Inhalte können intern vermittelt werden?
- Wo braucht es externe Unterstützung, z. B. durch Partnerbetriebe, Praktika oder Austauschformate?
- Welche zusätzlichen Kompetenzen, wie bspw. Präsentationsfähigkeit sollten gezielt aufgebaut werden?
Individuelle Bedarfe erkennen und ernst nehmen
Auszubildende bringen unterschiedliche Voraussetzungen mit – fachlich, methodisch und persönlich. Gute Prüfungsvorbereitung schaut nach den individuellen Bedarfen, bspw.
- Unsicherheiten bei schriftlichen Prüfungen
- Schwierigkeiten beim Präsentieren oder Auftreten vor Gruppen
- Prüfungsangst oder starke Nervosität
- fehlende Struktur beim Lernen
Diese Aspekte lassen sich nicht „kurz vor knapp“ lösen. Sie brauchen Zeit, Vertrauen und passende Angebote.
Konkrete Ansatzpunkte für Ausbilder:innen
Eine zielgerichtete Prüfungsvorbereitung lebt von Kontinuität und Dialog. Folgende Ansätze haben sich in der Praxis bewährt:
- Anforderungen transparent machen. Stellen Sie sicher, dass Ihre Auszubildenden wissen, was geprüft wird und wie Prüfungen ablaufen. Klarheit reduziert Unsicherheit.
- Zeitmanagement begleiten. Entwickeln Sie gemeinsam mit Ihren Auszubildenden realistische Lern- und Übungspläne oder unterstützen Sie dabei, diese zu entwickeln – angepasst an Ausbildungsstand und individuelle Bedürfnisse.
- Regelmäßiges Feedback geben. Ein Blick in den betrieblichen Ausbildungsplan und das Berichtsheft hilft, Lernfortschritte sichtbar zu machen:
- Was klappt bereits gut?
- Wo besteht noch Entwicklungsbedarf?
- Welche Inhalte stehen als Nächstes an?
- Übungs- und Lernmaterialien bereitstellen. Alte Prüfungsaufgaben und praxisnahe Aufgaben helfen, Sicherheit zu gewinnen – sowohl beim theoretischen als auch im praktischen Teil der Prüfung.
- Unterschiedliche Lerntypen berücksichtigen. Menschen lernen unterschiedlich. Eine Kombination verschiedener Lernformate erhöht die Wirksamkeit deutlich:
- auditiv (zuhören)
- visuell (anschauen)
- kommunikativ (diskutieren)
- experimentell (ausprobieren)
- Lernen im Verbund: Azubis voneinander profitieren lassen. Lerngruppen – auch lehrjahrübergreifend – sind ein wirksames Instrument:
- Ältere Auszubildende teilen Erfahrungen und geben Sicherheit
- Jüngere profitieren vom Lernen auf Augenhöhe
- Wissen wird durch Erklären vertieft
- Prüfungssituationen realistisch simulieren. Simulationen unter realen Bedingungen bereiten gezielt auf Prüfungen vor. Durch wiederholtes Üben lernen Auszubildende,
- mit Zeitdruck umzugehen
- Erwartungen besser einzuschätzen
- Sicherheit im Ablauf zu gewinnen
>> Gerade Gruppenformate bieten zusätzlich die Möglichkeit, Feedback zu geben und voneinander zu lernen.
- Präsentieren lernen – Sicherheit gewinnen. Präsentations- und Rhetoriktrainings helfen dabei, souveräner aufzutreten. Eine weitere Möglichkeit: Setzen Sie Auszubildende als Botschafter:innen ein – etwa bei Tagen der offenen Tür, Schulveranstaltungen oder Messen. Vor kleineren Gruppen zu sprechen, stärkt das Selbstvertrauen und bereitet auf größere Auftritte vor.
- Reflexion auf Gelingendes und Verbesserungswürdiges. Auch nach Klausuren oder Prüfungen lohnt sich der gemeinsame Blick zurück:
- Was ist gut gelaufen?
- Wo gab es Schwierigkeiten?
- Welche Schlüsse ziehen wir für kommende Jahrgänge?
>> Diese Reflexion ist ein zentraler Bestandteil kontinuierlicher Qualitätsentwicklung in der Ausbildung.
Fazit
Zielgerichtete Unterstützung bedeutet, Auszubildende von Anfang an im Blick zu behalten – fachlich, methodisch und persönlich. Wer Prüfungsvorbereitung als langfristigen Prozess versteht, schafft:
- Sicherheit
- Verlässlichkeit
- bessere Ergebnisse
- und eine Ausbildung, die trägt

