Ausbilder sind für ihre Azubis da. Sie hören zu, erklären, ermutigen, geben Feedback und merken oft sehr schnell, wenn jemand Unterstützung braucht. Manchmal geht es um fachliche Fragen, manchmal um ganz persönliche Themen. Gute Ausbilder:innen nehmen sich dafür Zeit. Sie schaffen einen Rahmen, in dem junge Menschen Fragen stellen, Unsicherheiten ansprechen und sich weiterentwickeln können.

Vor wenigen Wochen fand das Treffen der Praxisanleiter:innen aus Pflegeeinrichtungen statt. Die Agaplesion stellte ihr Konzept zu „ethischen Fallbesprechungen“ vor. Ein tolles Konzept, um die teils verzwickten Momente miteinander zu besprechen. Ein Beispiel: Ein dementer pflegebedürftiger Mann will sich nicht partout rasieren lassen. Die Auszubildende weiß, dass am Nachmittag die Ehefrau zu Besuch kommt und Wert darauf legt, dass ihr Mann rasiert ist. Auch nach mehreren Gesprächen kann die Rasur nicht durchgeführt werden. Die Auszubildende erhält am Nachmittag einen entsprechenden Kommentar von der Ehefrau. Genau solche Situationen werden mit den Ausbildern direkt besprochen. Gefühle von Ohnmacht, von Ärger, von Hilflosigkeit und Frust können aufgefangen werden. Ebenso werden Möglichkeiten diskutiert, wie in solchen Situationen vorzugehen ist. Sicher fallen Ihnen Beispiele aus Ihrem Arbeitsalltag ein, in denen Sie die Auszubildenden auch emotional begleiten.

Bleibt eine Frage offen: Wer schafft diesen Rahmen eigentlich für die Ausbilder:innen?

Auch sie stehen immer wieder vor Situationen, die sie gerne mit jemandem besprechen möchten. Vielleicht beschäftigt sie die Entwicklung eines Azubis, der sich zunehmend zurückzieht. Vielleicht wünschen sie sich eine bessere Zusammenarbeit mit den Kolleg:innen, die ebenfalls an der Ausbildung beteiligt sind. Oder sie haben eine gute Idee, wie Ausbildung im Betrieb weiterentwickelt werden könnte, und überlegen, wie sie andere dafür gewinnen können.

Manche Fragen lassen sich im Gespräch mit Kolleg:innen oder Geschäftsführenden klären. Andere brauchen etwas mehr Zeit und einen vertrauten Rahmen, in dem Gedanken erst einmal ausgesprochen, sortiert und weiterentwickelt werden dürfen.

Gemeinsam nachdenken und voneinander lernen

In einigen Branchen haben sich dafür feste Formate etabliert.

Im Sozial- und Gesundheitswesen beispielsweise ist die kollegiale Fallberatung weit verbreitet. Menschen bringen konkrete Situationen aus ihrem Berufsalltag ein und betrachten sie gemeinsam mit Kolleg:innen. Die anderen hören zu, stellen Fragen, teilen ihre Wahrnehmungen und eröffnen neue Perspektiven. Wer einen Fall einbringt, bekommt Anregungen und entwickelt daraus eigene Handlungsmöglichkeiten.

Im Garten- und Landschaftsbau sind ERFA-Gruppen ein bekanntes Format. Unternehmer:innen und Führungskräfte treffen sich regelmäßig, tauschen Erfahrungen aus, sprechen über betriebliche Herausforderungen und lernen voneinander. Was bei einem Betrieb gut funktioniert, kann für einen anderen ein wertvoller Impuls sein.

Beide Formate leben davon, dass Menschen ihre Erfahrungen miteinander teilen, Fragen stellen dürfen und sich Zeit nehmen, über die eigene Arbeit nachzudenken.

Welche Austauschrunden haben Sie im Betrieb? An welchen überbetrieblichen Austauschrunden nehmen Sie teil?

Solche Räume können auch für Ausbilder:inne sehr wertvoll sein. Denn Ausbildung ist weit mehr als die Vermittlung fachlicher Fertigkeiten. Es geht um Menschen, um Beziehungen, um Erwartungen und um die Frage, wie junge Menschen gut in ihrer Entwicklung begleitet werden können.

Manchmal braucht es einfach ein gutes Gegenüber

Ich erlebe in meinen eigenen Begleitungen immer wieder, wie viel sich verändert, wenn Menschen Gelegenheit haben, ihre Gedanken in einem vertrauten Rahmen auszusprechen.

Manchmal kommen sie mit einer ganz konkreten Frage. Manchmal haben sich viele kleine Themen angesammelt, die im Alltag immer wieder auftauchen. Im Gespräch werden Zusammenhänge sichtbar, unterschiedliche Perspektiven werden sortiert und allmählich entsteht ein klareres Bild.

Dabei geht es mir vor allem darum, zuzuhören, nachzufragen und Gedanken zu spiegeln. Ich gebe Impulse, eröffne weitere Blickwinkel und unterstütze mein Gegenüber dabei, eigene Lösungen zu entwickeln.

Oft entsteht aus einer guten Frage ein neuer Gedanke. Aus diesem Gedanken wird eine Idee. Und aus der Idee ein nächster Schritt, den jemand mit Überzeugung gehen möchte.

Für Ausbilder:innen kann ein solcher Austausch vieles bewirken: mehr Sicherheit in der eigenen Rolle, neue Ideen für den Umgang mit Azubis oder Klarheit darüber, wie eine Veränderung im Betrieb angegangen werden kann.

Reflexion braucht ihren Platz im Ausbildungsalltag

Ausbildung entwickelt sich durch die Menschen, die sie gestalten. Deshalb lohnt es sich, auch ihre persönliche und fachliche Entwicklung bewusst in den Blick zu nehmen.

Vielleicht gibt es in Ihrem Betrieb bereits regelmäßige Gespräche unter den Ausbilder:innen. Vielleicht treffen sich Ausbildungsverantwortliche mit Kolleg:innen aus anderen Unternehmen. Vielleicht ist eine kollegiale Fallberatung ein passendes Format. Oder ein individuelles Coaching bietet den Raum, um persönliche Fragen und konkrete Herausforderungen zu bearbeiten.

Entscheidend ist, dass der Austausch einen festen Platz bekommt und die Menschen erleben, wie hilfreich es ist, gemeinsam nachzudenken.

Aus guten Gedanken werden konkrete Veränderungen

Wer seine Ausbildung weiterentwickeln möchte, braucht neben guten Ideen auch Zeit, Struktur und einen verlässlichen Rahmen für die Umsetzung.

Mit meiner sechsmonatigen Umsetzungsbegleitung unterstütze ich Ausbildungsbetriebe dabei, ihre Entwicklungsziele Schritt für Schritt im Alltag zu verwirklichen.

In regelmäßigen Gesprächen reflektieren wir Erfahrungen, sortieren Herausforderungen, entwickeln Handlungsmöglichkeiten und vereinbaren konkrete nächste Schritte. Ich begleite den Prozess, stelle Fragen, gebe Impulse und helfe dabei, Fortschritte sichtbar zu machen.

So entstehen neue Abläufe, klare Verantwortlichkeiten und Routinen, die den Ausbildungsalltag nachhaltig verbessern.